TruckerMaster TruckerMaster

Ratgeber · CCNTR

Frankreich — Das protocole du 30 avril 1974 (Protokoll vom 30. April 1974): der Text, der über deine Reisekostenpauschalen entscheidet

Aktualisiert am 23. August 2026 · von Yann, aktiver LKW-Fahrer

Deine Verpflegungs-, Frühstücks- und Übernachtungspauschalen kommen nicht einfach so von deinem Arbeitgeber: Sie stammen aus einem präzisen Text, dem protocole du 30 avril 1974, der dem Tarifvertrag für den Straßengüterverkehr (CCNTR, IDCC 16) als Anhang beigefügt ist. Hier steht, was er wirklich sagt, Artikel für Artikel — denn die meisten Fahrer haben nie die genauen Bedingungen gelesen, die ihre Ansprüche eröffnen.

👉 Für den Überblick über die Pauschalen, beginne mit dem Ratgeber: Fahrtkosten des LKW-Fahrers. Hier gehen wir in den Text hinein.

Für wen gilt dieses Protokoll?

Dieser Text ist französisch. Er gilt, weil dein Arbeitsvertrag dem französischen Recht unterliegt und dein Unternehmen in den Geltungsbereich der CCNTR fällt — nicht weil du in Frankreich fährst, und unabhängig von deiner Staatsangehörigkeit. Ein polnischer, rumänischer oder portugiesischer Fahrer, der von einem französischen Unternehmen angestellt ist, hat dort genau dieselben Rechte wie ein französischer Fahrer. Umgekehrt unterliegt ein französischer Fahrer, der bei einer ausländischen Tochtergesellschaft angestellt ist, dem Tarifvertrag dieses Landes.

Wenn dein Vertrag nicht französisch ist, geh direkt zu Abschnitt 9: was es in anderen Ländern gibt.

1. Was heißt es, „unterwegs" zu sein?

Artikel 2 legt die Grundlage fest: Du bist unterwegs, wenn dein Dienst dich zwingt, gleichzeitig deinen Arbeitsort und deinen Wohnort zu verlassen. Der Arbeitsort ist für einen Güterkraftfahrer der Firmensitz oder der Standort, dem das Fahrzeug zugeordnet ist — einschließlich eines vorübergehenden Einsatzortes, an dem du deinen Dienst gewöhnlich beginnst und beendest.

Die Pauschalen des Protokolls sind Pauschalbeträge: Sie gleichen die Mehrkosten für Essen und Schlafen außer Haus aus, ohne dass du Belege vorlegen musst. Wenn dein Arbeitgeber deine tatsächlichen Kosten bereits vollständig auf Nachweis erstattet, gilt das Protokoll nicht.

2. Die Mahlzeit: es reicht nicht, „ich war mittags unterwegs" zu sagen

Das ist DIE Regel, die fast niemand kennt. Artikel 3 besagt, dass der Anspruch auf die Verpflegungspauschale entsteht, wenn deine Schichtspanne den gesamten Zeitraum abdeckt:

  • 11h45 → 14h15 für das Mittagessen;
  • 18h45 → 21h15 für das Abendessen.

„Vollständig abdecken" heißt: Deine Schichtspanne muss vor Beginn des Zeitraums beginnen und nach seinem Ende aufhören. Um 12 Uhr zu beginnen oder um 20:30 Uhr aufzuhören reicht nicht, selbst wenn du tatsächlich unterwegs gegessen hast. Es handelt sich um eine Vermutung: In diesem Zeitraum warst du im Dienst, also hast du außer Haus gegessen — der Text verlangt keinen weiteren Nachweis.

Viele Arbeitgeber zahlen großzügiger als diese Regel vorschreibt — das ist ihr gutes Recht (Artikel 16: günstigere Gepflogenheiten bleiben bestehen), und das kommt sogar häufig vor. Im Streitfall zählt aber die gesamte Zeitspanne.

3. Die Frühstückspauschale: Dienstbeginn vor 5 Uhr

Artikel 5: Wenn dein Einsatz dich zwingt, deinen Dienst vor 5 Uhr zu beginnen, hast du Anspruch auf die Frühstückspauschale. Nicht „vor 6 Uhr", nicht „früher Start": vor 5 Uhr, auf die Minute genau.

Achtung bei den schwarz auf weiß festgeschriebenen Nichtkumulierungen: Die Frühstückspauschale wird weder mit der Übernachtungspauschale (découcher) noch mit der Nachtdienstpauschale aus Artikel 12 kumuliert. Sie kann sich dagegen mit einer Verpflegungspauschale kumulieren, wenn beide Bedingungen erfüllt sind — das hat der Cour de cassation (französischer Kassationsgerichtshof) so anerkannt.

4. Die Übernachtungspauschale: die Unmöglichkeit, nach Hause zu fahren

Artikel 6: Die Übernachtungspauschale ist fällig, wenn es dir tatsächlich unmöglich ist, nach Hause zu fahren, um deine tägliche Ruhezeit zu nehmen. Das ist das Kriterium — nicht die Anzahl der im LKW verbrachten Stunden.

Und ein Punkt, den jeder Fahrer auswendig kennen sollte, aus Artikel 14: Die Fahrerkabine ist keine vom Arbeitgeber gestellte Unterkunft. In der Kabine zu schlafen hebt deinen Anspruch auf die Übernachtungspauschale nicht auf. Zahlt der Arbeitgeber jedoch das Hotel oder die Mahlzeit, kann die entsprechende Pauschale gekürzt oder gestrichen werden — logisch: Die Pauschale gleicht Kosten aus, die du dann nicht mehr hast.

5. Der Nachtdienst: 4 Stunden tatsächliche Arbeit

Artikel 12: Eine besondere Pauschale — im Güterverkehrs-Barème „repas unique nuit" (einzige Nachtmahlzeit) genannt — ist fällig, wenn du mindestens vier Stunden tatsächliche Arbeit zwischen 22 und 7 Uhr leistest und für diesen Dienst noch keine andere Pauschale erhältst. Vier Stunden Arbeit, nicht Schichtspanne: Eine Ruhepause in diesem Zeitfenster zählt nicht mit.

6. Der Tarif 2026 (avenant n° 81, Nachtrag Nr. 81)

Die Beträge werden durch avenants (Nachträge) angepasst — der letzte, der avenant n° 81 vom 2. Dezember 2025, gilt seit dem 1. Januar 2026. Im Ausland erhöht Artikel 13 alle Pauschalen um 18 % (sofern keine günstigere Betriebsvereinbarung besteht).

Pauschale Frankreich Ausland +18 %
Mahlzeit (Mittag oder Abend)16,36 €19,30 €
Frühstückspauschale (Dienstbeginn vor 5 Uhr)8,87 €10,47 €
Einzige Nachtmahlzeit (Art. 12)9,81 €11,58 €
1 Mahlzeit + 1 Übernachtung52,31 €61,73 €
2 Mahlzeiten + 1 Übernachtung68,67 €81,03 €

Die Übernachtung „allein" ergibt sich aus der Pauschale: 52,31 − 16,36 = 35,95 € (42,42 € im Ausland). Diese Beträge sind tarifliche Mindestbeträge: Dein Unternehmen kann mehr zahlen, nie weniger.

7. Die Fallen, die dich Geld kosten

  • Die „repas unique" (Einzelmahlzeit) zu 10,07 € ist keine landesweite Pauschale. Artikel 4 beschränkt sie auf die Camionnage-Zone rund um Paris. Ein Arbeitgeber, der sie überall anstelle der Mahlzeit zu 16,36 € zahlt, irrt sich um 6,29 € pro Mahlzeit.
  • Die Kabine ersetzt nicht die Übernachtungspauschale (Artikel 14). In der Kabine zu schlafen hebt deinen Anspruch nicht auf.
  • Wechselkosten im Ausland gehen zulasten des Arbeitgebers, gegen Nachweis (Artikel 13).
  • Mautgebühren, die durch Vorschriften oder den Arbeitgeber vorgeschrieben sind, werden gegen Nachweis erstattet (Artikel 14 ter) — und das Unternehmen muss dir Vorschüsse gewähren, die den anfallenden Kosten entsprechen (Artikel 14 bis).
  • Eine günstigere Gepflogenheit bleibt bestehen (Artikel 16): Wenn dein Unternehmen schon immer die Frühstückspauschale für Abfahrten vor 7 Uhr gezahlt hat, kann es nicht von heute auf morgen zum reinen Wortlaut des Textes zurückkehren.

8. Prüfen, nicht raten

Jede dieser Bedingungen lässt sich auf deiner Fahrerkarte ablesen: die Schichtspanne, die die Mahlzeiten-Zeitspanne abdeckt — oder nicht —, der Dienstbeginn vor 5 Uhr, die Nacht fern von deiner Basis verbracht. Genau das berechnet TruckerMaster, Tag für Tag, anhand der zertifizierten Daten des Fahrtenschreibers — und es zeigt dir auch, was dein Arbeitgeber über den Text hinaus zahlt, damit du zwischen Tarifvertrag und Gepflogenheit unterscheiden kannst.

Quelle: protocole du 30 avril 1974 relatif aux frais de déplacement des ouvriers (Protokoll vom 30. April 1974 über die Reisekosten der Arbeitnehmer), CCNTR (IDCC 16), konsolidierte Fassung — vollständiger Text auf Légifrance. Beträge: avenant n° 81 vom 2. Dezember 2025. Dieser Ratgeber dient der Information und ersetzt weder den offiziellen Text noch eine Rechtsberatung.

9. Und anderswo in Europa?

Das Protokoll von 1974 ist französisch. Fast alle Nachbarländer entschädigen die Dienstreise ebenfalls, allerdings nach einem ganz anderen Mechanismus — und dabei muss man zwei Dinge unterscheiden, die ständig verwechselt werden: das, was dein Arbeitgeber dir zahlen muss, und das, was er dir abgabenfrei zahlen kann. Letzteres verpflichtet niemanden. Zwei französische Besonderheiten findet man sonst nirgendwo: die Regel des vollständig abgedeckten Zeitfensters und den pauschalen Auslandszuschlag von 18 %. Anderswo entsteht der Anspruch aus einer Abwesenheitsdauer oder aus einer auswärts verbrachten Nacht.

Land Lokale Bezeichnung Art Quelle
BelgienARAB-vergoeding · verblijfsvergoedingEinklagbarer AnspruchQuelle
Bulgarienкомандировъчни париTeilweiseQuelle
DeutschlandSpesen · VerpflegungspauschaleSteuerfreibetragQuelle
Italienindennità di trasfertaEinklagbarer AnspruchQuelle
KroatiendnevnicaReferenzsatz des öffentlichen DienstesQuelle
Lettlanddienas naudaEinklagbarer AnspruchQuelle
NiederlandeverblijfkostenvergoedingEinklagbarer AnspruchQuelle
ÖsterreichTagesgeld · NächtigungsgeldEinklagbarer AnspruchQuelle
Polendieta (national) · 20 €/60 € (international)TeilweiseQuelle
Portugalajudas de custo · ajuda de custo TIREinklagbarer AnspruchQuelle
Rumänienindemnizație de delegare · diurnăReferenzsatz des öffentlichen DienstesQuelle
Schwedentraktamente · OB-tilläggEinklagbarer AnspruchQuelle
Slowakeistravné · osobitné sadzby pre vodičovEinklagbarer AnspruchQuelle
SloweniendnevnicaReferenzsatz des öffentlichen DienstesQuelle
Spaniendieta · dieta internacionalEinklagbarer AnspruchQuelle
Tschechienstravné · zahraniční stravnéEinklagbarer AnspruchQuelle
UngarnnapidíjTeilweiseQuelle

Diese Tabelle ist eine Zusammenfassung; jede Zeile verweist auf den offiziellen Text. Beträge und Bedingungen ändern sich oft — prüfe das Datum der zitierten Fassung, bevor du dich darauf verlässt. Und denk daran: Es ist dein Arbeitsvertrag, der bestimmt, welches Recht gilt, nicht das Land, in dem du fährst.

🚛 Kostenlos in der Beta

Kostenlos für Android herunterladen

Android-Smartphone · Ohne Firmenkonto · Kostenlos während der Beta